CHORAZY, Ewa; KONIECZKA-SLIWINSKA, Danuta; ROSZAK, Stanisław. Edukacja historyczna w szkole. Teoria i praktyka [Historische Bildung in der Schule. Theorie und Praxis]. Warszawa 2008. Resenha de: KUBIS, Barbara. International Journal of Research on History Didactics, n.31, p.294-297, 2010.

Um das erforderliche Bildungsniveau auf den verschiedenen Schulstufen zu erhalten und zu steigern, muss man konsequent mit Hilfe gesellschaftlicher Einflussnahme Verbesserungen herbeiführen.

Der Staat, der die Bildung junger Menschen fördern will, soll durchaus die Ausgaben für Schulwesen und Wissenschaft steigern.

Dies darf aber nicht der einzige Weg bleiben. Es ist auch wichtig, die Motivation der Wissenschaftler und Universitätsmitarbeiter dadurch zu heben, dass man die Publikation der Forschungsergebnisse und die Popularisierung des erarbeiteten Wissens stetig steigert. Die an den Hochschulen geleistete Forschung bestätigt beispielsweise die Sorge, dass die didaktische Ausbildung der Lehramtsstudierenden an den Hochschulen nicht optimal ist, was sich im Endeffekt auf das ganze Schulwesen auswirkt. Darin liegt ein wichtiger Grund, dass das Buch „Edukacja historyczna w szkole“ auf dem polnischen Buchmarkt so gut aufgenommen wurde: Es nimmt die gegenwärtigen Probleme der historischen Bildung genauer unter die Lupe.

Die Verfasser Ewa Chorąży, Danuta Konieczna-Śliwińska und Stanislaw Roszak, die zugleich wissenschaftliche Mitarbeiter an polnischen Universitäten und Praktiker im Bereich der historischen Bildung sind, haben ein sehr wichtiges Werk vorgelegt, das unter anderem deshalb große Aufmerksamkeit verdient, weil es während des Reformprozesses des polnischen Bildungssystems entstanden ist.

Das Buch stellt somit ein Beispiel für die Suche nach neuen Inhalten, Fragestellungen und Methoden der historischen Bildung dar. Die Inhalte des zu vermittelnden historischen Wissens werden heute in der Fachliteratur nur noch selten synthetisch reflektiert; im Allgemeinen standen und stehen elementare Regeln der Vermittlung des historischen Wissens im Mittelpunkt. Diese Autoren aber gehen von den Bedingungen des Geschichtsunterrichts bzw. der historischen Bildung in der heutigen polnischen Schule aus und suchen nach anderen Lösungen, die über das übliche deduktive „theoretisch-praktische“ Verfahren hinausgehen, das eine Regel formuliert und ein praktisches Beispiel hinzufügt. Dieses Buch ist vielmehr als ein Grundwissen-Kompendium für die unterrichtsbezogene Geschichtsdidaktik gedacht. Damit richtet sich das Werk an Geschichtsstudenten, die das Teilfach „Didaktik der Geschichte“ im Masterstudium wählen. In Polen kann man heute nicht mehr von historischen Bildungsprozessen sprechen, ohne auf die Problematik der neuesten „Bildungsstandards“ für Lehrer einzugehen. Auch an sie, die Pädagogen, wendet sich das Buch, um deren Reflexion über die eigenen Arbeitsmethoden anzustoßen und somit eine systematische Fortbildung zu ermöglichen. Meines Erachtens sollte jeder Geschichtslehrer dieses Werk sorgfältig studieren und darüber hinaus ist es auch sinnvoll für Lehrkräfte anderer geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer.

Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert: historische Bildung, Geschichtslehrer im didaktischen Prozess und Geschichtslehrer als Akteure. Jeder Teilbereich weist Kapitel und Unterkapitel auf, die stets in hohem Maß auf die Lehrkraft, ihr Wissen und die Praxis eingehen. Der erste Part führt den Leser in die theoretische Betrachtung der historischen Bildung ein. Immer sind die Autoren bestrebt, die aktuellen Bildungstrends zusammenfassend zu analysieren und zu präsentieren und anhand von Beispielen aufzuzeigen, wie man die theoretische Analyse mit Studierenden durchführen kann. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich die Buchautoren auch über das Fach hinaus mit Fragen befassen, die in der Gesellschaft aktuell sind und helfen, wesentliche gesellschaftliche Erscheinungen und Prozesse zu verstehen. Ein solches Vorgehen trägt dazu bei, auf Irrtümer gegründete Meinungen und „Mythen“ zu dekonstruieren, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind.

Über die Inhalte des Geschichtsunterrichts entscheidet, unabhängig von den Anforderungen der Schulverwaltung, vor allem der Geschichtslehrer in der Klasse. Daher ist der zweite und umfangreichste Part des Buches den Fragen der Schulpraxis gewidmet. Dabei ist zu betonen, dass die Verfasser den didaktischen Prozess in einem sehr breiten Kontext situieren und als eine Form der zwischenmenschlichen Kommunikation und Interaktion betrachten. Dennoch findet man hier auch einen Überblick über die klassischen Elemente des didaktischen Prozesses, wie etwa die Ziele und Aufgaben des Geschichtsunterrichts, das Spektrum der Unterrichtsmethoden und -medien, den Unterrichtsaufbau und die Sozialund Arbeitsformen.

Der dritte Teil ist schließlich den Aufgaben und Möglichkeiten des Lehrers in der alltäglichen Unterrichtspraxis gewidmet. Hier geht es nicht nur um die Arbeit mit Schülern im Unterricht, sondern auch in dem – sehr weit aufgefassten – Schulmilieu. Hier findet man zahlreiche Bezüge zu curricularen Fragen, zur Auswahl der Bildungsinhalte, zur Unterrichtsplanung sowie zur schülergemäßen Passung und inneren Differenzierung. Die Lektüre dieses Buches hilft dem Leser zu verstehen, wie man den Geschichtsunterricht als authentischen Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden gestalten könnte.

Die Verfasser haben einen Versuch unternommen, vor allem Lehramtsstudenten und jungen Lehrkräften die Bedeutung einer authentischen, intellektuell anspruchsvollen und emotional ansprechenden Interaktion mit Jugendlichen aufzuzeigen. Sie gehen auch auf mögliche Unterrichtsstörungen im Geschichtsunterricht und deren Ursachen ein, die u. a. auch von neuen Inhalten und der Tendenz zur offenen Interpretation herrühren können. Zusammenfassend kann man festhalten, dass sich dieses Werk optimal in die neueren Studien über die Reform und Modernisierung der historischen Bildung in Polen einfügt. In knapper und gut lesbarer Form bietet es eine Fülle von Informationen aus polnischen und ausländischen Quellen, die sonst nur verstreut zu finden oder sehr schwer zugänglich sind. Die Autoren haben in großem Umfang geschichtsdidaktische und andere Literatur aufgearbeitet. Obwohl eine Reihe von Fragen zur historischen Bildung in Polen in diesem Werk nicht behandelt wird und verschiedene Formulierungen strittig sind und genauere Forschungen erforderlich machen, bleibt herauszustellen, dass diese geschichtsdidaktische Publikation einen bedeutsamen Schritt auf dem Weg zur Verbesserung des Geschichtsunterrichts darstellt.

Barbara Kubis

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